· 

Als Schisser um die Welt

Als Schisser um die Welt

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein" - Bei mir ist über den Wolken eher die Angst grenzenlos und doch kann ich es nicht lassen.

 

Wenn alles gut geht, man sieht, ich neige dazu, die Apokalypse heraufzubeschwören, werde ich in 30 Tagen ein Flugzeug besteigen und mich nach kurzem Stopover in Dubai auf den Weg nach Indonesien machen.

 

Angekommen auf Bali, sofern sich die aktuelle Gefahr eines Vulkanausbruchs nicht bewahrheitet, habe ich also hoffentlich schon einen kleinen Teil unserer Reise überlebt, ein Vollzeitschisser wie ich, hat aber auch nach überlebten Flug immer noch ne große Menge Angst im Gepäck. 

 

"Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben" - stimmt, für mich bedeutet das aber auch immer das Besiegen eines inneren Zwiespalts zwischen dem Wunsch die Welt zu bereisen und der großen Panik vor gefährlichen und unvorhersehbaren Ereignissen. 

 

Wie gerne würde ich in die Welt starten, ohne mir vor meinem geistigen Auge Flugzeugabstürze, Seeunglücke oder Rollerunfälle heraufzubeschwören.

 

In der Realität sieht es aber so aus, dass sich in mir oft bereits eine Woche vor dem Flug Sorgen und der Drang breit machen, zu jedem gebuchten B&B oder Transport sämtliche Bewertungen, Erfahrungen oder Tipps durchzulesen. Dies wahrscheinlich nicht, um Ängste zu mildern, sondern eher, um mich völlig verrückt zu machen. 

 

Seitdem ich denken kann, habe ich Platzangst, aus dieser Angst heraus hat sich dann eine ziemlich starke Flugangst entwickelt. Bevor wir in Thailand schippernd in der Phang Nga-Bucht in einen kleinen Sturm geraten sind, hatte ich zumindest keine Angst vor Schiff- oder Bootstouren, naja das ist jetzt auch passé. 

 

"Alles ist möglich, nichts ist unerreichbar", wir haben das Privileg und die Möglichkeiten reisen und die Welt entdecken zu können und genau deshalb habe ich mich felsenfest entschlossen, mich nicht hinter meinen Ängsten zu verstecken, sondern mich diesen Situationen auszusetzen - Schließlich sind die Erlebnisse die man auf Reisen macht durch nichts zu ersetzen.

 

Ein Entschluss, den ich mir selbst oft als endgültig erkläre, den ich aber nach jeder kleinen Turbulenz, jedem Start und jeder Landung eines Flugzeuges so schnell wieder verwerfe, wie ich ihn gefasst habe. Besonders nach stundenlanger Anwendung angeblich beruhigender Atemtechniken, dem vergeblichen Versuch Ablenkung durch das Lesen eines Buches oder das Studieren der Boardzeitungen zu finden, sowie der akribischen Musterung der Verhaltensweisen der Stewardessen und Stewards, wünsche ich mir nichts sehnlicher als niemals wieder fliegen zu müssen.

 

Ich studiere also vor und nach jedem Flug sämtliche Möglichkeiten der Flugangst effektiv zu begegnen, nichts funktioniert, ich schwöre dem Fliegen für immer ab.

 

Und dann kommt er wieder, der Moment, den viele von uns kennen. Wir kommen wieder zu Hause an, sind froh, dass alles gut gegangen ist, haben wunderschöne und prägende Erlebnisse mitgenommen und nach den ersten Tagen der Freude wieder zu Hause zu sein und im eigenen Bett schlafen zu können, ist es wieder da - das Fernweh, der Wunsch, noch mehr von der Welt sehen zu dürfen.

 

"We travel, some of us forever" - Also warum leicht, wenn es auch schwer geht. Auf ins Abenteuer, auch wenns unzählige Nerven und Stunden voller Angst und Panik kostet.

 

"The true warrior isn´t immune to fear. She fights in spite of it."

Gehts euch ähnlich oder habt ihr das Glück angstfrei reisen zu können?

 

Habt ihr einen Weg gefunden, eure Ängste zu besiegen? Oder versucht ihr, solchen Situationen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0